Infektionen mit Reoviren, sind bei Menschen weit verbreitet, harmlos und verlaufen meist in der Kindheit ohne Symptome zu verursachen. Jetzt wurde in einer Veröffentlichung in der wissenschaftlichen Zeitschrift Science gezeigt, dass die Immunantwort auf diese Reoviren Infektion vermutlich auch eine Zöliakie (Gluten Unverträglichkeit) auslösen kann.

Gluten (Klebereiweiß) ist ein Stoffgemisch aus Eiweiß, das in allen Nahrungsmitteln vorkommt, die aus Weizen und anderen Getreidearten (z.B. Gerste und Roggen) hergestellt werden. Gluten macht mit Wasser den Teig geschmeidig und sorgt dafür, dass er aufgeht und seine Form behält. Gluten ist in vielen Backwaren enthalten und somit ein Hauptnahrungsmittel des Menschen. Die Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) ist eine Autoimmunerkrankung, eine nicht-infektiöse Darmerkrankung, die auf einer Unverträglichkeit gegenüber Gluten, dem Klebereiweiß im Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer) beruht. Der lebenslange Verzicht auf glutenfreie Lebensmittel ist nur dann wichtig, wenn ein Arzt eine Gluten Unverträglichkeit (Zöliakie) diagnostiziert hat. Dabei kann der Körper bei dieser Erkrankung das Klebereiweiß (Gluten) nicht verdauen und dessen Aufnahme führt zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut mit Rückbildung der Dünndarmzotten. Typische Symptome sind Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Depressionen und Blutarmut (Anämie). 

Die Wissenschaftler hatten in dieser Studie Mäuse mit 2 unterschiedlichen Stämmen der Reoviren infiziert, diese kommen auch bei Menschen vor: Typ 1 Lang (T1L) und Typ 3 Dearing (T3D). Beide dieser Virus Stämme verursachten bei den Tieren eine Immunreaktion, doch Typ 1 Lang (T1L) sorgte auch dafür, dass das Mäuseimmunsystem auf Gluten reagierte und somit eine Erkrankung auslöste wie bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Ergänzend fanden die Mediziner heraus, dass dabei ein Molekül namens Interferon-Regulator-Faktor-1 (IRF-1) beteiligt war, denn Studien bei Menschen hatten gezeigt, dass dieser bei Kindern mit Zöliakie in erhöhten Mengen im Darm gefunden wurde.

Dr. B. Jabri  und Mitarbeiter von der University in Chicago verglichen dann 73 Menschen ohne Glutenunverträglichkeit mit 160 an Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) erkrankten Menschen. Letztere wiesen deutlich höhere Konzentrationen an Reovirenantikörpern und IRF1-Genexpressionen auf als gesunde Menschen. Eine Infektion mit Reoviren kann also bei genetisch vorbelasteten Menschen dauerhafte Spuren im Immunsystem hinterlassen, die zur Autoimmunerkrankung Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) führt.

WJS

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